An dieser Stelle möchte ich etwas mehr darüber informieren, wie ein Bindungs- und Entwicklungstrauma entsteht.

Das Schocktrauma

Das, was wir klassisch unter einem Trauma verstehen, ist ein schockartiges Erlebnis.
Ist etwas zu viel, zu schnell und/oder zu plötzlich und es stehen uns keine Bewältigungsmechanismen zur Verfügung, um es zu verarbeiten, dann sprechen wir von Schocktrauma. 

Das Bindungs- bzw. Entwicklungstrauma

Hier liegt kein einmaliges katastrophales Ereignis zu Grunde, sondern vielmehr ein dauerhaftes Erleben von destruktiven Beziehungs- und Bindungsmustern, die die Eltern oder andere Bezugspersonen gegenüber einem Kind leben.

Viele Menschen tragen ein Bindungs- oder Entwicklungstrauma mit sich, ohne dass sie sich dessen bewusst sind.

Trauma wirkt auf unser Nervensystem

Wenn wir geboren werden, haben wir einen ausgebildeten Sympathikus und einen unausgebildeten Parasympathikus. 

Sympathikus und Parasympathikus sind Teile unseres autonomen Nervensystems. Der Sympathikus dient der Aktivierung. Er bringt uns in Aktion und versetzt uns bei Gefahr in den Kampf- oder Fluchtmodus.
Der Parasympathikus ist der Gegenspieler des Sympathikus. Er ist also der Teil der uns entspannt und runter reguliert. Werden wir angegriffen und Kampf oder Flucht ist nicht möglich, löst er die Erstarrung bzw. den Totstellreflex aus. 

Da wir also als Baby keinen ausgebildeten Parasympathikus haben, heißt das, dass wir uns nicht selbst runter regulieren können. Wir können uns zwar selbst hochfahren, aber nicht mehr selbst beruhigen und nach unten regulieren.

Wir sind also darauf angewiesen, von außen reguliert zu werden

Die neuronalen Bahnen zur Regulierung bilden sich im Laufe der Zeit durch Kontakt und Bindung aus. Diese frühen Bindungs- und Entwicklungserfahrungen prägen unsere Vorstellung davon, was wir von Beziehungen erwarten können. Sie wirken, ohne dass wir uns dessen wirklich bewusst sind auf unser Denken und unser Handeln. 

Verhaltensmuster, Erwartungsmuster, Wahrnehmungsmuster, das alles bestimmt unser Sein. 

Es gibt verschiedene Gedächtnisformen. Was an dieser Stelle für uns relevant ist, ist das implizite und das explizite Gedächtnis. 

Das explizite Gedächtnis ist verantwortlich für alle bewussten Gedächtnisinhalte, also die Gedächtnisinhalte über die berichtet werden kann. Es sind Beschreibungen der Vergangenheit. 

Das implizite Gedächtnis speichert Gedächtnisinhalte über Erleben und Erfahrungen, auf die wir mit dem Verstand (und im Gespräch) nicht einfach zugreifen können. Diese Erinnerungen wirken sich auf unsere Erfahrungen und Verhalten aus, ohne dass wir uns dessen bewusst sind. Hier liegen die Muster, die uns unbewusst geprägt haben. Implizite Erinnerungen sind auch immer mit Körperempfindungen und Emotionen verbunden. 

Traumatische Erfahrungen werden im Stammhirn gespeichert und wirken im impliziten Gedächtnis. Alles, was mit einer solchen Erfahrung im Zusammenhang steht, wird dort gespeichert. Es ist genau der Teil, der versucht sicherzustellen, dass wir in der Zukunft nicht noch einmal in eine solche Situation geraten.

Im Gespräch oder mit rein kognitiven Ansätzen können wir nicht auf diese Gedächtnisinhalte zugreifen. Jedoch über den Körper ist dies möglich. An dieser Stelle setzt die bindungs- und körperorientierte Traumatherapie an.

Bei meiner Arbeit steht die Beziehung im Mittelpunkt

Wenn ein Klient den Weg zu mir findet, bringt er nicht nur seine Herausforderungen und Probleme mit, sondern auch seine einzigartige Persönlichkeit, seine Geschichte und seine individuellen Bedürfnisse.

Das bindungsorientierte Arbeiten, knüpft an die Ideen von John Bowlby an. Er erkennt die Bedeutung von sicheren Bindungen für das emotionale Wohlbefinden an. In der therapeutischen Beziehung bin ich bestrebt, eine sichere Basis zu schaffen, von der aus der Klient die Welt erkunden und seine inneren Prozesse verstehen kann. Die Beziehung wird dabei zum sicheren Hafen, in dem auch die schwierigsten Themen angesprochen werden können.

Meine Aufgabe ist es, zu unterstützen, um die eigenen Ressourcen zu entdecken, Stärken zu erkennen und persönliche Ziele zu definieren. Die Beziehung ist der Fahrplan, aber der Klient der Kapitän seines eigenen Schiffs.

Ein Trauma ist wie eine Zersplitterung

Die Erinnerung an das Ereignis, was wir gefühlt haben, unsere Gedanken und unsere Reaktionen darauf, liegen zersplittert und verstreut in uns… 
Wenn wir alles wieder zusammengefügt und in unsere Geschichte integriert haben, kann uns ein Abschluss gelingen.
Wir können uns in der Gegenwart – und auch für die Zukunft – NeuOrientieren. 

Wir gelangen zur Erkenntnis:
Wir sind heute hier. Es ist vorbei und wir haben es überlebt.

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